Neues dezentrales soziales Netzwerk von Ex-Diasporians gegründet

Die beiden früheren Diaspora* Mitentwickler_innen Pistos (siehe u.a. Hinweis: “Diaspora and Me”) und Rekado haben ein neues Projekt begonnen. Libertree heißt das dezentrale soziale Netzwerk, welches sich momentan in der Alpha Phase befindet. Es ist offensichtlich eine Reaktion auf die Entwicklungen bei Diaspora*. Libertree ist freie Software und steht unter einer AGPL Lizenz, der Quellcode ist auf Github zu finden.

Pistos war schon zuvor durch seine Diaspora/Pistos Fork bekannt, seit einiger Zeit war auf Diaspora* nicht mehr viel von ihm zu hören, jetzt erklärt sich warum. Sobald ich einen Testaccount und mehr Zeit habe, werde ich mehr zum Thema schreiben.

Hinweis: “Diaspora and Me”

Pistos (Diaspora* Entwickler_in, siehe auch Diasp0ra.ca – Pistos Diaspora* Fork) ging heute in einem langen Post auf seine Erfahrungen mit Diaspora* ein. Neben den Gründen für die ‘Pistos-Fork‘ wird in dem Post auf diverse Kritikpunkte an den Hauptentwickler_innen (‘DiasporaInc.’) eingegangen. Bisher haben noch keine Hauptentwickler_innen reagiert, ich bin gespannt ob sich eine konstruktive Diskussion über die Zukunft von Diaspora* entwickelt.

Der Artikel ist lang (die Diskussion auch) und es ist spät, deshalb verlinke ich an dieser Stelle nur den Post ohne weiter darauf einzugehen. Mitdiskutieren kann wer einen Dispora* Account hat ;-)

Update [09.03.2012] Ich möchte jetzt (mit etwas mehr Zeit) noch die wichtigsten Punkte und Argumente des Artikels (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zusammefassen.

Pistos erklärt, dass er sein ‘Fork’ Projekt (seiner Meinung nach handelt es sich noch nicht um eine ‘richtige’ Fork) startete als seine Code Beiträge teilweise ohne Begründung abgelehnt wurden.

Problematisch findet er auch, dass Dienstleistungen von Google und Amazon innerhalb von joindiaspora.com (als Analyse Werkzeug, Speicherplatz, aber auch Mailinglisten etc.) genutzt werden. Weitere Kritikpunkte sind die fehlende Pod-Neutralität (der Quellcode ist wohl teilweise auf joindiaspora.com zugeschnitten) und die Fokussierung auf große skalierbare Pods statt auf viele kleine.

Der größte und wohl wichtigste Kritikpunkt ist die (ungenügende) Kommunikation. Sowohl die direkte Kommunikation mit Nutzer_innen und Mitentwickler_innen als auch die Dokumentation (u.a. des Quellcodes) empfindet Pistos als ungenügend. Die arbeit von Sean Tilley lob Pistos jedoch ausdrücklich, dieser wurde anscheinend von DiasporaInc. eingestellt um die Kommunikation mit der Community zu koordinieren / aufrecht zu erhalten.

Anfang 2012 wurden laut Pistos große Teile des Quellcodes ohne vorherige (rechtzeitige?) Ankündigung geändert. Das hatte nicht nur zur Folge, dass viele noch nicht in den ‘offiziellen’ Code eingeflossene Beiträge von Mitentwickler_innen unbrauchbar wurden, sondern auch , dass Pistos es aufgab, seinen Code kompatibel zum ‘offiziellen’ Code zu halten.

Im Februar 2012 kam dann die Ankündigung, dass das Konzept der Kommunikation der Pods untereinander umgestellt / neu programmiert würde, wodurch die Verbindungen zu allen nicht mit dem ‘offiziellen’ Code laufenden Pods (und auch zu ‘Friendica’) abbrechen würden. Die Arbeit an diesem Protokoll hat anscheinend auch schon begonnen und zwar ohne dass sie öffentlich dokumentiert oder diskutiert wurde / wird.

Soweit zu den (aus meiner Sicht) wichtigsten Punkten, anzumerken wäre noch, dass der Beitrag mittlerweile 64 mal reshared und 95 mal kommetiert wurde, sich allerdings kein Statement der Kern-Entwickler_innen darunter befindet.

Noch ein Hinweis, Pistos Post hat eine weitere interessante Diskussion angestoßen und zwar darüber, ob Diaspora* ein demokratisches Projekt ist (sein sollte) ist. Hier haben sich sogar einige Kern-Entwickler_innen zu Wort gemeldet.

Update [13.03.2012] Der aktuelle Blogpost der Kernentwickler_innen “How We Are” scheint wohl die Antwort auf beiden langen Diskussionen zu sein, welche von Pistos angestoßen wurden. Im Artikel stellen sie klar, dass sie die grundlegende Richtung des Projektes bestimmen, in diesem Rahmen aber für Hilfe offen sind. Auch auf die ‘Vision’ wird nochmal eingegangen, u.a. ist ihnen wichtig nicht nur ‘techmenschen’ anzusprechen. Am Ende des Artikels wird noch angedeutet, dass noch Informationen zum neuen Federationsystem kommen werden. Womit sie wohl auf Pistos Kritik an der mangelnden Kommunikation reagieren.